Menschenrechte und universelle Verantwortung

S.H. der 14. Dalai Lama

Rede des Dalai Lama vor den regierungsunabhängigen Organisationen
auf der Menschenrechtskonferenz der UNO in Wien im Juni 1993

…aber immer noch aktuell…

Wir alle sind aufeinander angewiesen

Mit dem raschen Wachstum der Bevölkerung und den verstärkten Beziehungen zwischen Menschen und Regierungen wird unsere Welt immer kleiner und greift immer mehr ineinander. In dieser Hinsicht ist es wichtig, die Rechte und Verantwortlichkeiten des einzelnen, der Nationen und der Völker in bezug auf den Mitmenschen und unseren Planeten Erde als Ganzes neu zu definieren. Diese Weltkonferenz von Organisationen und Regierungen, die sich über die Rechte und Freiheiten der Menschen in der ganzen Welt Gedanken machen, spiegelt den hohen Stellenwert wider, den wir dieser gegenseitigen Abhängigkeit beimessen.

Gleich aus welchem Land oder von welchem Kontinent wir kommen, wir sind im Grunde alle gleich. Wir haben dieselben menschlichen Bedürfnisse und Sorgen. Wir alle streben nach Glück und wollen dem Leid entfliehen, unabhängig von unserer Rasse, Religion, Geschlecht oder politischem Status. Menschen, ja alle Lebewesen, haben das Recht, nach Glück zu streben und in Frieden und Freiheit zu leben. Als freie Menschen können wir unsere einzigartige Intelligenz dazu verwenden, uns und unsere Welt besser zu verstehen.

Aber wenn wir daran gehindert werden, unser kreatives Potential zu nutzen, werden wir einer der grundlegenden Eigenschaften des Menschen beraubt. Oft sind es gerade die begabtesten, die einsatzfreudigsten und schöpferischsten Mitglieder unserer Gesellschaft, die Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden. So wird die politische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft durch Verletzungen der Menschenrechte blockiert. Daher ist die Wahrung dieser Rechte und Freiheiten ungemein wichtig, sowohl für die betroffenen Menschen als auch für die Entwicklung der Gesellschaft als Ganzes.


Kein Glück auf Kosten anderer

Ich bin überzeugt, daß das fehlende Verständnis für das wahre Glück der Hauptgrund ist, warum Menschen anderen Leid zufügen. Manche Menschen glauben, daß sie glücklich werden, wenn sie anderen Schmerz zufügen oder daß ihr eigenes Glück so wichtig ist, daß das Leid anderer unbedeutend ist. Aber das ist sehr kurzsichtig, denn niemand profitiert wirklich davon, wenn er einem anderen Lebewesen schadet. Jeder unmittelbare Vorteil, der auf Kosten anderer erzielt wird, ist nur von kurzer Dauer. Wer anderen Leid zufügt und ihren Frieden und ihr Glück verletzt, schafft auf lange Sicht nur Bedrängnis, Furcht und Mißtrauen gegenüber sich selbst.

Der Schlüssel zur Schaffung einer besseren und friedlicheren Welt liegt darin, Liebe und Mitgefühl für andere empfinden zu können. Das bedeutet, daß wir uns um unsere Brüder und Schwestern kümmern müssen, die vom Schicksal nicht so begünstigt sind wie wir. In dieser Hinsicht kommt den regierungsunabhängigen Organisationen (Menschenrechts-NGO’s) eine Schlüsselrolle zu. Sie machen nicht nur darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, die Rechte aller Menschen zu respektieren, sondern sie geben allen Opfern von Menschenrechtsverletzungen Hoffnung für eine bessere Zukunft.


Die Menschenrechte sind allgemeingültig

Als ich im Jahr 1973 das erste Mal nach Europa reiste, sprach ich über die wachsende gegenseitige Abhängigkeit in der Welt und die Notwendigkeit, ein universelles Verantwortungsgefühl zu entwickeln. Wir müssen in globalen Dimensionen denken, denn die Folgen der Vorgänge in einer Nation sind weit über deren Grenzen hinaus spürbar. Die Akzeptierung weltweit verbindlicher Normen für Menschenrechte, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in den Internationalen Verträgen über Menschenrechte festgelegt sind, ist in der heute immer enger werdenden Welt unbedingt notwendig. Die Respektierung der grundlegenden Menschenrechte sollte nicht nur ein erstrebenswertes Ideal sein, sondern eine unumgängliche Grundlage für jede menschliche Gesellschaft werden.

Wenn wir die von uns so geschätzten Rechte und Freiheiten einfordern, sollten wir uns auch unserer Verantwortung bewußt sein. Wenn wir den anderen das gleiche Recht auf Frieden und Glück zugestehen wie uns selbst, haben wir dann nicht auch die Verantwortung, denen zu helfen, die in Not sind? Die Respektierung der grundlegenden Menschenrechte ist für die Menschen in Afrika und Asien ebenso wichtig wie für die Menschen in Europa und Amerika. Jeder Mensch, unabhängig von seinem kulturellen oder historischen Hintergrund, leidet, wenn er eingeschüchtert, eingesperrt oder gefoltert wird. Die Frage der Menschenrechte ist von so existenzieller Bedeutung, daß es diesbezüglich keine unterschiedlichen Auffassungen geben sollte. Wir müssen auf einen globalen Konsens drängen, der nicht nur die Notwendigkeit beinhaltet, die Menschenrechte weltweit zu respektieren, sondern auch, was noch wichtiger ist, eine Definition dieser Rechte.

In letzter Zeit haben einige Regierungen in Asien damit argumentiert, daß die grundlegenden Menschenrechte, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt sind, solche sind, die vom Westen befürwortet werden und die daher wegen der unterschiedlichen Kultur und sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung nicht auf Asien und andere Teile der Dritten Welt angewandt werden können. Ich teile diese Ansicht nicht und bin überzeugt, daß die meisten Menschen in Asien dem ebenfalls nicht zustimmen, denn die Sehnsucht nach Freiheit, Gleichheit und Würde liegt in der ureigensten Natur der Menschen, und alle haben das gleiche Recht, dies zu erreichen. Meiner Meinung nach liegt kein Widerspruch darin, gleichzeitig nach wirtschaftlicher Entwicklung und Wahrung der Menschenrechte zu streben. Die große Vielfalt an Kulturen und Religionen sollte dazu beitragen, die grundlegenden Menschenrechte in jeder Gemeinschaft zu stärken. Doch diese Vielfalt baut auf Grundprinzipien, die uns alle als Mitglieder derselben menschlichen Familie ausweisen. Vielfalt und Tradition können nie Verstöße gegen die Menschenrechte rechtfertigen. Diskriminierungen von Menschen anderer Rassen, von Frauen und schwächeren Teilen der Gesellschaft mögen zwar in manchen Gebieten in der Tradition begründet sein, wenn sie aber mit den allgemein anerkannten Menschenrechten unvereinbar sind, müssen diese Verhaltensweisen geändert werden. Die allgemeinen Grundsätze von der Gleichheit der Menschen müssen über allem stehen.

Es sind vor allem autoritäre und totalitäre Regime, die sich gegen die allgemeine Gültigkeit der Menschenrechte aussprechen. Es wäre völlig falsch, sich dieser Ansicht anzuschließen. Im Gegenteil, solche Regime müssen dazu gebracht werden, die allgemein anerkannten Grundsätze zu respektieren und sich daran zu halten, was auf lange Sicht im Interesse ihrer eigenen Völker ist. Die drastischen Veränderungen in den letzten Jahren zeigen deutlich, daß der Siegeszug der Menschenrechte unaufhaltsam ist.

Die Völker sind sich im steigenden Maße ihrer Verantwortung füreinander und für unsere Erde bewußt. Das ist ermutigend, aber noch immer wird aufgrund von Chauvinismus im Zusammenhang mit Rasse, Religion, Ideologie und Geschichte sehr viel Leid zugefügt. Es gibt eine neue Hoffnung für die Unterdrückten, und auf der ganzen Welt zeigen die Menschen ihre Bereitschaft, die Rechte und Freiheiten ihrer Mitmenschen zu verfechten und zu verteidigen. Rohe Gewalt, gleich in welchem Ausmaß, wird nie das Urbedürfnis der Menschen nach Freiheit und Würde zerstören. Es genügt nicht, die Menschen nur mit Nahrung, Unterkunft und Kleidung zu versorgen, wie dies kommunistische Systeme geglaubt haben. Die Seele des Menschen braucht Freiheit, um atmen zu können. Manche Regierungen betrachten die grundlegenden Menschenrechte ihrer Bürger aber immer noch als innere Angelegenheit ihres Staates. Sie akzeptieren nicht, daß das Schicksal eines Volkes, gleich in welchem Land, ein gerechtfertigtes Anliegen der gesamten menschlichen Familie ist und daß Berufung auf Souveränität kein Freibrief für die Mißhandlung der Bürger ist. Als Mitglieder der menschlichen Familie haben wir nicht nur das Recht zu protestieren, wenn unsere Brüder und Schwestern unmenschlich behandelt werden, es ist vielmehr unsere Pflicht, alles in unserer Macht Stehende zu unternehmen, um ihnen zu helfen.


Die Kluft im Herzen der menschlichen Familie – der Nord-Süd-Konflikt

In den letzten Jahren wurden künstliche Grenzen, die Nationen und Völker getrennt haben, beseitigt. Mit dem Fall der Berliner Mauer wurde die Teilung in Ost und West aufgehoben, die die ganze Welt jahrzehntelang bestimmt hat. Wir leben in einer Zeit voller Hoffnungen und Erwartungen. Und doch gibt es noch eine große Kluft inmitten der menschlichen Familie. Damit meine ich die Teilung in Nord und Süd. Wenn wir uns ernsthaft einsetzen für das grundlegende Prinzip der Gleichheit, ein Prinzip, das meiner Ansicht nach das Kernstück der Menschenrechtstheorie bildet, können wir die heutigen wirtschaftlichen Unterschiede nicht länger ignorieren. Es ist nicht damit getan festzuhalten, daß alle Menschen die gleiche Würde genießen sollen, sondern es sind Taten gefordert. Wir haben die Verantwortung, Mittel und Wege zu finden, um für eine gerechtere Verteilung der Ressourcen zu sorgen.

Wir sind Zeugen einer gewaltigen Bewegung für Menschenrechte und demokratische Freiheiten in der Welt. Diese Bewegung muß eine noch stärkere moralische Kraft werden, so daß selbst jene Regierungen und Armeen, die sich am heftigsten dagegen wehren, sie nicht länger unterdrücken können. Diese Konferenz bietet uns allen eine Gelegenheit, unseren Einsatz für die Erlangung dieses Zieles neuerlich zu bekräftigen. Es ist selbstverständlich und gerechtfertigt, daß Nationen, Völker und Einzelpersonen die Respektierung ihrer Rechte und Freiheiten fordern und für die Beendigung von Unterdrückung, Rassismus, wirtschaftlicher Ausbeutung, militärischer Besetzung und verschiedenen Formen des Kolonialismus und der Fremdherrschaft kämpfen. Die Regierungen sollten solche Forderungen aktiv unterstützen, anstatt nur ein Lippenbekenntnis abzugeben.


Universelle Verantwortung als Grundlage für den Weltfrieden

Jetzt im ausgehenden 20. Jahrhundert, stellen wir fest, daß die Welt eine einzige Gemeinschaft wird. Schwierige Probleme wie Überbevölkerung, schwindende Rohstoffvorkommen und eine Umweltkrise, die unsere Existenzgrundlage auf diesem Planeten bedroht, bringen uns einander näher. Menschenrechte, Umweltschutz und weitreichende soziale und wirtschaftliche Gleichheit greifen ineinander. Ich glaube, daß die Menschen ein umfassendes Verantwortungsgefühl entwickeln müssen, um den Anforderungen unserer Zeit gerecht zu werden. Jeder von uns muß lernen, sich nicht nur für sich selbst, für seine eigene Familie oder seine eigene Nation einzusetzen, sondern zum Nutzen der gesamten Menschheit. Universelle Verantwortung ist der Schlüssel für das Überleben der Menschen und die beste Grundlage für den Weltfrieden.

Das Bedürfnis nach Zusammenarbeit kann die Menschheit nur noch stärker machen, denn es hilft uns zu erkennen, daß die sicherste Grundlage für eine neue Weltordnung nicht in der Schaffung größerer politischer und wirtschaftlicher Bündnisse liegt, sondern darin, daß jeder einzelne Liebe und Mitgefühl in die Tat umsetzt. In diesen Eigenschaften liegt der Ursprung menschlichen Glücks, und unser Verlangen danach bildet den Kern unseres Daseins. Mitgefühl zu üben ist nicht idealistisch, sondern der wirksamste Weg, die besten Interessen sowohl für die anderen als auch für sich selbst zu vertreten. Je größer die Abhängigkeit voneinander ist, desto größer ist unser Interesse am Wohlergehen der anderen.

Der Hauptgrund, warum wir unsere gegenseitige Abhängigkeit nicht voll akzeptieren können, liegt, so glaube ich, darin, daß wir der materiellen Entwicklung eine ungebührende Bedeutung zumessen. Wir sind so damit beschäftigt, nach materiellen Werten zu streben, daß wir unwissentlich die grundlegenden menschlichen Eigenschaften wie Mitgefühl, Verständnis und Zusammenarbeit vernachlässigt haben. Wenn wir jemanden nicht kennen oder uns einem Menschen oder einer Gruppe nicht verbunden fühlen, übersehen wir leicht deren Bedürfnisse. Aber Voraussetzung für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft ist, daß wir einander helfen.


Jeder einzelne kann die Gesellschaft verändern

Ich für meinen Teil glaube fest daran, daß einzelne Menschen einen Umschwung in der Gesellschaft herbeiführen können. Jeder Mensch hat die Verantwortung, unsere universelle Familie auf den richtigen Weg zu bringen, und wir alle müssen diese Verantwortung wahrnehmen. Ich als buddhistischer Mönch versuche Mitgefühl in mir selbst zu entwickeln, nicht nur als religiöse Übung, sondern auch auf einer menschlichen Ebene. Um mich in dieser selbstlosen Haltung zu ermutigen, hilft es mir, mir vorzustellen, daß ich alleine auf einer Seite stehe und mir gegenüber eine große Ansammlung von allen anderen Menschen. Dann frage ich mich. „Wessen Interessen sind wichtiger“. Für mich ist klar, daß ich, gleich wie wichtig ich mir vorkomme, nur ein einzelner Mensch bin, während die anderen unendlich an Zahl und Bedeutung sind.

Ich danke Ihnen.

Vergebung


Antworte niemandem, wenn du wütend bist; verspreche nichts, wenn du glücklich bist; entscheide niemals, wenn du traurig bist.
Buddha

Buddha saß unter einem Baum und sprach zu seinen Schülern. Da kam ein Mann und spuckte ihm ins Gesicht. Buddha wischte sich die Spucke ab und fragte den Mann: „Und was noch? Was möchtest du mir noch sagen?“

Der Mann war etwas verwirrt, weil er nicht erwartet hatte, dass jemand, dem er ins Gesicht spuckte, fragen würde: „Und was noch?“ Er hatte bisher nie eine solche Erfahrung gemacht. Wenn er Menschen beleidigt hatte, dann wurden sie wütend und reagierten aufgebracht. Oder wenn sie Feiglinge oder Schwächlinge waren, dann hatten sie gelächelt und versucht, ihn zu beschwichtigen. Doch Buddha war anders; er war weder wütend noch auf irgendeine Art beleidigt, und er war auch nicht feige. Stattdessen fragte er einfach nur ganz nüchtern: „Und was noch?“ Es kam von ihm keine Reaktion.

Die Schüler Buddhas hingegen wurden wütend, sie reagierten. Sein vertrautester Schüler, Ananda, sagte: „Das geht zu weit, das können wir nicht dulden. Er muss dafür bestraft werden, sonst beginnen alle Leute solche Dinge zu tun.“

Buddha aber sagte: „Sei still. Er hat mich nicht beleidigt, aber du beleidigst mich. Er ist neu hier, ein Fremder. Er muss wohl von den Leuten etwas über mich gehört haben, dass dieser Mann ein Atheist sei, ein gefährlicher Mensch, der die anderen von ihrem Weg abbringt, ein Revolutionär, der andere verdirbt. Und er hat womöglich begonnen, sich eine bestimmte Vorstellung von mir zu machen, und eine bestimmte Meinung über mich entwickelt.
Er hat nicht mich angespuckt, er hat seine Idee von mir angespuckt, seine Vorstellung von mir. Er kennt mich ja überhaupt nicht, wie also könnte er mich anspucken?“

„Wenn man genauer darüber nachdenkt“, sagte Buddha, „hat er seinen eigenen Verstand angespuckt. Ich habe nichts damit zu tun. Und ich sehe, dass dieser arme Mann noch etwas anderes sagen möchte, denn das ist seine Art, etwas zu sagen. Spucken ist eine Art, etwas zu sagen. Es gibt Augenblicke, in denen man das Gefühl hat, dass die Sprache nicht ausreicht: in grosser Verliebtheit, bei heftiger Wut, im Hass, beim Gebet. Dann muss man etwas tun.
Wenn man verliebt ist, dann küsst oder umarmt man den anderen. Wenn man wütend ist, sehr wütend, dann schlägt man den anderen, oder du spuckst auf ihn. Damit sagt man dem Anderen etwas. Ich verstehe ihn. Er muss noch etwas anderes zu sagen haben, deshalb fragte ich ihn: Und was noch?“

Der Mann war jetzt erst recht verwirrt!
Und Buddha sagte zu seinen Schülern: „Ich fühle mich mehr durch euch beleidigt, denn ihr kennt mich, und ihr lebt seit Jahren bei mir, und noch immer reagiert ihr sofort.“

Ratlos und verwirrt kehrte der Mann nach Hause zurück. Er konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Wenn man einem Buddha begegnet ist, dann ist es schwierig, ja unmöglich so zu schlafen wie man bisher geschlafen hat. Wieder und immer wieder wurde er von seiner Erfahrung heimgesucht. Er konnte sich nicht erklären, was geschehen war. Er zitterte und schwitzte am ganzen Körper, so dass seine Bettlaken ganz durchnässt waren. Niemals zuvor war er einem solchen Menschen begegnet; durch ihn wurden sein ganzer Verstand und all seine Muster, seine ganze Vergangenheit erschüttert.

Am nächsten Morgen kehrte er zurück. Er warf sich Buddha zu Füssen. Und Buddha fragte ihn erneut: „Und was noch? Auch das, was du jetzt tust ist eine Art, etwas zu sagen, was mit Worten nicht ausgedrückt werden kann. Wenn du zu mir kommst und meine Füsse berührst, sagst du etwas, das du nicht auf gewöhnliche Weise ausdrücken kannst, wofür alle deine Worte nicht ausreichen; sie können es nicht vermitteln.“
Und an seinen Schüler gewandt sagte Buddha: „Schau, Ananda, dieser Mann ist wieder hier, und er sagt etwas. Dieser Mann ist ein Mensch mit tiefen Gefühlen.“

Der Mann schaute zu Buddha auf und sagte: „Vergib mir, was ich gestern getan habe.“

Buddha erwiderte: „Vergeben? Ich bin nicht derselbe Mann, dem du es angetan hast. Der Ganges fliesst immer weiter, er ist niemals derselbe Ganges, der er vorher war.“
„Jeder Mensch ist ein Fluss. Der Mann, den du gestern angespuckt hast, ist nicht mehr hier. Ich sehe zwar noch genauso aus, doch ich bin nicht mehr derselbe wie gestern, denn es ist viel geschehen in diesen 24 Stunden! Der Fluss ist viel weiter geflossen. Also kann ich dir nicht vergeben, denn ich hege keinen Groll gegen dich.“
„Und auch du bist neu. Ich sehe, dass du nicht derselbe Mann bist, der gestern kam. Denn jener Mann war sehr wütend, und er hat mich angespuckt, während du dich jetzt niederwirfst und meine Füsse berührst. Wie könntest du derselbe Mann sein? Du bist nicht derselbe Mann, also lass uns das alles vergessen.  Diese beiden Menschen, der Mann der gespuckt hat, und der Mann der angespuckt wurde, sie beide existieren nicht mehr. Komm näher. Lass uns über etwas anderes sprechen.“

QUELLE: Unbekannt

Es ist besser, so lange zu schweigen, bis Sie gefragt werden, als zu sprechen, bis Sie aufgefordert werden, zum schweigen zu kommen. – Östliche Weisheit-

Die Kunst zu leben: Vipassana Meditation


Der folgende Artikel basiert auf einer Rede, die Herr S.N. Goenka in Bern, in der Schweiz, gehalten hat.

Jeder sucht Frieden und Harmonie, weil es das ist, was in unserem Leben fehlt. Wir alle erfahren von Zeit zu Zeit Unruhe, Irritation oder Disharmonie. Und wenn wir leiden, dann behalten wir diese Stimmung nicht für sich, sondern verbreiten sie oft in der ganzen Umgebung. Diese Stimmung dringt die Atmosphäre um jemanden, der unglücklich ist und jene, die mit ihm Kontakt treten, werden davon beeinflusst. Dies ist sicherlich keine kunstvolle Art zu leben.

Wir sollten in Frieden mit uns selbst und mit allen anderen leben. Der Mensch ist schließlich ein soziales Wesen, das in einer Gesellschaft lebt und mit anderen auskommen muss. Aber wie können wir friedvoll leben? Wie können wir innere Harmonie bewahren, und damit Frieden und Harmonie in unserem Umfeld aufrechterhalten, so dass andere ebenfalls in Frieden und Harmonie leben können?

Um von unserem Unglück befreit zu werden, müssen wir den Grund unseres Leidens kennen. Eine sorgfältige Untersuchung des Problems zeigt, dass wir immer dann unglücklich werden, sobald wir Negativität oder Unreinheit im Geist erzeugen. Unreinheiten im Geist können nicht zusammen mit Frieden und Harmonie existieren.

Und wie beginnen wir, Negativität zu erzeugen? Durch die Beobachtung wird es deutlich. Wir werden unglücklich, wenn sich jemand auf eine Art und Weise verhält, die wir nicht mögen oder wenn etwas passiert, was uns nicht gefällt. Unerwünschtes geschieht, und wir reagieren mit Anspannung. Etwas Erwünschtes passiert nicht, ein Hinternis stellte sich in den Weg, und wieder erzeugen wir Anspannung; innerlich erzeugen wir Verknotungen. Während des ganzen Lebens passieren unerwünschte Dinge. Erwünschtes kann eintreten oder nicht eintreten. Unsere Reaktion, Verknotungen zu erzeugen – Gordische Knoten – führt zu mentaler und körperlicher Anspannung. Sie sind voll von Negativität, so dass ein Leben voll von Leiden entsteht.

Eine Lösung des Problems läge darin, alles so arrangieren, dass nichts Unerwünschtes geschähe, sondern dass alles genauso abliefe wie gewollt. Hierzu müsste ich soviel Macht entwickeln oder jemand mit solcher Macht müsste mir immer zu Hilfe kommen, um sicher zu stellen, dass nichts Unerwünschtes und nur Gewünschtes geschieht. Aber das ist unmöglich. Es gibt niemandem auf der ganzen Welt, dessen Wünsche stets erfüllt werden, in dessen Leben alles nach seinen Vorstellungen verläuft, ohne dass Unerwünschtes eintritt. Ständig passieren Dinge, die das Gegenteil unserer Wünsche darstellen. Also stellt sich die Frage, wie ich kann ich aufhören, blind zu reagieren, wenn Unerwünschtes eintritt. Wie kann ich aufhören, Spannungen zu erzeugen und friedlich und harmonisch zu bleiben?

Weise, heilige Menschen in Indien und in anderen Ländern haben dieses Problem in der Vergangenheit untersucht und eine Lösung gefunden: Wann immer man auf etwas Ungewolltes mit Ärger, Furcht oder sonst einer Negativität reagiert, sollte man die Aufmerksamkeit sofort auf etwas anderes richten: zum Beispiel aufstehen, ein Glas Wasser holen und anfangen zu trinken. So vervielfältigt sich der Ärger nicht, sondern wird weniger. Oder man kann anfangen zu zählen: eins, zwei, drei, vier. Oder man wiederholt ein Wort, einen Satz, vielleicht ein Mantra, vielleicht den Namen einer verehrten Gottheit oder eines verehrten Heiligen. Durch diese Aktivitäten wird der Geist abgelenkt, und man kommt zu einem gewissen Grad aus dem Äger, der Irritation heraus.

Diese Lösung half früher und hilft auch heute noch. Jeder, der sie anwendet, beruhigt sich. Aber diese Lösung funktioniert nur auf der bewussten Ebene des Geistes. In Wirklichkeit schiebt man die Negativität durch die Ablenkung tiefer ins Unbewusste, wo sie ihr Eigenleben entwickelt. An der Oberfläche hat sich eine Schicht von Frieden und Harmonie gebildet, aber in der Tiefe liegen wie schlafende Vulkane diese unterdrückten Negativitäten, die früher oder späterin gewaltigen Ausbrüchen explodieren können.

Andere, die die innere Wirklichkeit erforscht haben, gingen in ihrer Suche tiefer und erkannten im eigenen inneren Erleben der Realität von Geist und Körper, dass Ablenken nur ein Weglaufen vor dem Problem ist. Flucht ist keine Lösung, man muss sich dem Problem stellen. Wann immer eine Negativität entsteht, dann beobachten Sie sie einfach, stellen Sie sich ihr. Sobald Sie beginnen, geistige Unreinheiten zu beobachten, so verlieren sie an Stärke und werden langsam weniger.

Diese Lösung vermeidet die beiden Extreme: entweder etwas zu unterdrücken oder aber ihm freien Lauf zu lassen. Die Negativität im Unbewussten zu bewahren, löst sie nicht auf, und sie in Worten und Taten auszuleben, führt zu neuen Problemen. Einfaches Beobachten hingegen führt dazu, dass die Unreinheit schwächer und schwächer wird und schliesslich ganz verschwindet — man ist von ihr befreit.

Das hört sich wunderbar an, aber ist es auch praktikabel? Es ist nicht einfach, sich den eigenen Unreinheiten zu stellen. Aufsteigender Ärger zum Beispiel überwältigt uns, ehe wir uns dessen gewahr werden, und während der Ärger uns in seiner Gewalt hat, lassen wir uns leicht zu Äußerungen oder Handlungen hinreißen, die uns selbst und anderen schaden. Später, wenn der Ärger abgeklungen ist, bedauern wir, was wir getan haben, bereuen es und bitten Gott oder jene betroffene Person um Verzeihung: “Oh, ich habe einen Fehler gemacht. Ich bitte um Entschuldigung.” Aber wenn wir dann irgendwann wieder in eine ähnliche Situation geraten, reagieren wir wieder auf dieselbe Weise. Bereuen und Klagen hilft uns nicht weiter, ganz und gar nicht.

Das Problem besteht darin, dass wir es nicht merken, wenn Negativitäten entstehen. Sie entstehen tief im Unterbewusstsein, und wenn sie in das Bewusstsein aufsteigen, sind sie bereits so stark, dass sie uns überwältigen und wir sie nicht beobachten können.

Angenommen, ich stelle einen Privatsekretär ein, der mich warnt, sobald Ärger entsteht: „Achtung, der Ärger beginnt!” Da ich nicht weiß, wann dieser Ärger entsteht, bräuchte ich einen Rund-um-die-Uhr-Service von drei Privatsekretären. Nehmen wir einmal an, ich kann mir das leisten und Ärger entstünde. Sofort warnt mich mein Privatsekretär: „Achtung, Herr, Ärger!“ Meine erste Reaktion wäre, ihn zurechtzuweisen: „Für wen hältst du dich eigentlich! Bezahl‘ ich dich, damit du mir Vorschriften machst?“ Ich bin vom Ärger so überwältigt, dass guter Rat nicht helfen kann.

Angenommen, die Einsicht überwiegt und ich beschimpfe ihn nicht. Stattdessen sage ich: „Vielen Dank, dass du aufgepasst hast. Jetzt muss ich mich hinsetzen und diesen Ärger beobachten.“ Aber ist das überhaupt möglich? Sowie ich meine Augen schließe und versuche, den Ärger zu beobachten, kommt mir das Objekt meines Ärgers in den Sinn – die Person oder der Vorfall, über den ich mich geärgert habe. Dann beobachte ich nicht den Ärger selbst, sondern lediglich den äußeren Anlass, den Auslöser dieses Gefühlsausbruches. Das aber stimuliert den Ärger nur, es vervielfältigt ihn, anstatt ihn aufzulösen. Es ist sehr schwierig, eine Negativität des Geistes, eine starke Emotion abstrakt, das heisst isoliert von ihrem äußeren Anlass zu betrachten.

Jemand, der die letzte Wahrheit, die vollkommene Erleuchtung erreicht hatte, fand eine praktizierbare Lösung des Problems. Er entdeckte, dass immer, wenn eine Negativität im Geist entsteht, sich gleichzeitig zwei Dinge auf der körperlichen Ebene abspielen. Zum einen verliert der Atem seinen normalen Rhythmus: Wann immer eine Negativität im Geist auftaucht, wird der Atem härter, unruhiger — das kann jeder leicht an sich selbst beobachten. Zum anderen beginnen auf subtilerer Ebene biochemische Vorgänge im Körper abzulaufen, die sich als diese oder jene Empfindung wahrnehmen lassen. Jede Unreinheit des Geistes ruft die eine oder andere Empfindung im Körper hervor.

Eine praktikable Lösung war gefunden. Eine aufsteigende Negativität abstrakt zu beobachten – abstrakte Angst, Wut oder Leidenschaft – ist äußerst schwierig. Aber mit etwas Schulung und Übung ist es leicht, den Atem und die Empfindungen im Körper zu beobachten. Beide stehen in direktem Zusammenhang mit den geistigen Unreinheiten.

Die Atmung und die Empfindungen werden mir auf zweierlei Weise helfen. Erstens werden sie wie Privatsekretäre sein. Sobald eine Unreinheit im Geist auftaucht, verliert der Atem seinen normalen Rhythmus und ruft: “Achtung, hier stimmt was nicht!” Den Atem können wir nicht zurechtweisen, wir müssen seine Warnung akzeptieren. In gleicher Weise werden uns die Empfindungen anzeigen, dass etwas schiefgelaufen ist. So gewarnt, können wir beginnen, den Atem, die Empfindungen zu beobachten, und die Unreinheiten werden sehr schnell vergehen.

Dieses geistig-körperliche Phänomen ist wie eine Münze, die zwei Seiten hat. Auf der einen Seite sind all die Gedanken und Emotionen, die im Geist auftauchen. Auf der anderen Seite sind der Atem und die Empfindungen im Körper. Jeder Gedanke, jede Emotion, jede geistige Unreinheit manifestiert sich im Atem und der Empfindung dieses Moments. Indem wir die Atmung oder die Empfindungen beobachten, beobachten wir daher indirekt die geistigen Unreinheiten. Anstatt vor dem Problem davonzulaufen, stellen wir uns der Wirklichkeit, wie sie ist. Dann werden wir feststellen, dass die Unreinheit ihre Kraft verliert: sie kann uns nicht mehr überwältigen, wie sie es in der Vergangenheit tat. Wenn wir beharrlich weiterarbeiten, wird diese Unreinheit schließlich ganz vergehen, und wie beginnen, ein friedvolles und glückliches Leben zu führen, ein Leben das nach und nach frei ist von Negativität.

Auf diese Weise zeigt uns die Technik der Selbstbeobachtung die zwei Seiten der Realität: die innere und die äußere Wirklichkeit. Bisher schauten wir immer nur mit offenen Augen nach außen und übersahen die innere Wahrheit. Wir suchten den Grund für unser Unglück immer nur außen. Weil wir uns unserer inneren Wirklichkeit nicht bewusst waren, konnten wir nicht begreifen, dass der Grund unseres Leidens in uns liegt, in unseren eigenen blinden Reaktionen.

Jetzt können wir, mit etwas Übung, die andere Seite der Medaille sehen. Wir können bewusst wahrnehmen, was mit unserem Atem, was in unserem Körper geschieht. Ob Atem oder irgendwelche Empfindungen – wir können lernen, sie objektiv zu beobachten, ohne die Balance des Geistes, ohne den Gleichmut zu verlieren. Auf diese Weise hören wir auf, blindlings zu reagieren, hören auf, unser Unglück zu multiplizieren. Wir erlauben den Unreinheiten, sich zu manifestieren und lösen sie durch Beobachtung auf.

Je mehr man diese Technik praktiziert, desto schneller werden sich die Unreinheiten auflösen. Nach und nach wird der Geist von allen Unreinheiten befreit. Er wird rein und klar, und ein reiner Geist ist voller Liebe, uneigennützige Liebe für alle anderen, voller Mitgefühl für die Fehler und Leiden anderer, voller Freude über ihre Erfolge und ihr Glück. Und ein reiner Geist bewahrt Gleichmut in jeder Situation.

Die Lebensmuster eines jeden, der dieses Stadium erreicht hat, ändert sich vollkommen. Für so einen Menschen ist es unmöglich, etwas zu sagen oder etwas zu tun, das den Frieden oder die Harmonie anderer stört. Er wird nicht nur mit sich selbst in Frieden und Harmonie leben, sondern auch anderen helfen, Frieden zu gewinnen. Die gesamte Atmosphäre um eine solche Person ist von Frieden und Harmonie durchdrungen und beeinflusst alle, die in ihren Umkreis kommen.

Indem man lernt, allem was man im Inneren erlebt gegenüber Ausgeglichenheit zu bewahren, bleibt man auch unerschüttert durch das was man im Außen erlebt. Das ist keine Gleichgültigkeit oder Flucht vor den Problemen der Welt. Diejenigen, die regelmäßig Vipassana praktizieren, werden empfindsamer gegenüber dem Leiden anderer und tun ihr Bestes um Leiden zu erleichtern so gut sie können – nicht aus Unruhe sondern mit einem Geist voller Liebe, Mitgefühl und Gleichmut. Sie lernen heilige Unberührheit – wie man vollkommen involviert ist, anderen zu helfen und gleichzeitig einen ausgeglichenen Geist bewahrt. Auf diese Weise bleibt man friedvoll und glücklich und arbeitet gleichzeitig für den Frieden und das Glücklichsein vieler anderer.

Das ist es, was der Buddha lehrte: eine Kunst, zu leben. Er gründete keine Religion, lehrte keinen „Ismus“. Er wies die Meditierenden niemals an, irgendwelche Riten, Rituale oder leere Zeremonien auszuführen. Statt dessen lehrte er, die Natur zu beobachten, wie sie ist, indem man die Realität in sich selbst beobachtet. Solange man nicht weiß, was in einem wirklich geschieht, reagiert man auf eine Weise, die einem selbst und anderen schadet. Erst wenn sich die Weisheit entwickelt, die Wirklichkeit so zu beobachten, wie sie ist, kann man von der Gewohnheit, unbewusst zu reagieren, ablassen. Sobald man nicht mehr blindlings reagiert, ist man in der Lage, positiv zu agieren und zu handeln. Dann erwachsen alle Handlungen aus einem gleichmütigen, ausgeglichenen Geist, einem Geist, der die Wahrheit sieht und versteht. Und solche Handlungen können nur gut, kreativ und hilfreich für einen selbst und andere sein.

Es ist also notwendig, sich selbst zu erkennen – ein Rat, den alle Weisen gegeben haben. Aber es reicht nicht aus, Selbsterkenntnis nur auf intellektueller Ebene zu erlangen, auf der Ebene von Ideen und Theorien. Gemeint ist hier auch nicht das Wissen, das auf der gefühlsmässigen Ebene gewonnen wird und sich auf Glauben und Vertrauen gründet – blindlings glauben, weil man etwas gehört oder gelesen hat, ist nicht genug. Man muss die Realität auf der wirklichen Ebene kennenlernen. Man muss die Realität des eigenen Geist-Körper-Phänomens direkt erfahren. Nur diese eigene Erfahrung hilft, aus den Unreinheiten, aus dem Leiden herauszukommen.

Diese unmittelbare Erfahrung der eigenen Realität, diese Technik der Selbstbeobachtung wird Vipassana-Meditation genannt. In der Sprache Nordindiens, die zu Lebzeiten des Buddha gesprochen wurde, bedeutete das Wort passana “sehen”, auf ganz normale Weise, mit offenen Augen, vipassana jedoch heisst, auf eine besondere Weise zu schauen, nämlich die Dinge so zu betrachten, wie sie wirklich sind, und nicht, wie sie zu sein scheinen. Die scheinbare, oberflächliche Wahrheit muss durchdrungen werden, bis man zur letzten Wahrheit bezüglich des Geist-Körper-Phänomens gelangt. Wenn man diese Wahrheit erlebt, lernt man, die blinden Reaktionen zu unterbinden und keine neuen Unreinheiten mehr entstehen zu lassen, wodurch Raum geschaffen wird, die alten Unreinheiten schrittweise abzubauen. In dem Masse, wie sie abgebaut werden, wird man von seinen Miseren befreit.

Das Training, das während eines Vipassana Meditationskurses durchgeführt wird, verläuft in drei Stufen: Als erstes muss man versprechen, sich vorzunehmen, alle verbalen und körperlichen Handlungen, die den Frieden und die Harmonie anderer stören, zu unterlassen. Man kann die Arbeit, sich von allen Unreinheiten des Geistes zu befreien, nicht leisten, wenn man gleichzeitig weiterhin durch sein Reden und Handeln eben diese Unreinheiten vermehrt. Deshalb ist der erste notwendige Schritt der Praxis die Einhaltung einiger Regeln. Man nimmt sich vor, während der zehn Tage des Kurses nicht zu töten, nicht zu stehlen, auf jegliche sexuellen Aktivitäten zu verzichten, nicht zu lügen und keinerlei Rauschmittel zu sich zu nehmen. Indem man sich all dieser Aktivitäten enthält, ermöglicht man dem Geist, sich wenigstens soweit zu beruhigen, dass er die anstehende Aufgabe angehen kann.

Der zweite Schritt gilt der Entwicklung einer gewissen Herrschaft über den Geist. Zu diesem Zweck schult man den Geist, sich auf nur ein Objekt zu konzentrieren: den Atem. Man versucht, die Aufmerksamkeit solange wie möglich ohne Unterbrechung auf den Atem gerichtet zu halten. Das ist keine Atemübung, man reguliert den Atem nicht, sondern man betrachtet den natürlichen Atem, wie er kommt und wie er geht. Auf diese Weise wird der Geist ruhiger und ruhiger und kann nicht mehr von zerstörerischen Negativitäten überwältigt werden. Gleichzeitig wird der Geist konzentrierter, schärfer und feinfühliger er wird bereit für die Aufgabe, Einsicht zu entwickeln.

Die beiden ersten Schritte einerseits ein moralisches Leben zu führen und andererseits den Geist beherrschen zu lernen sind unabdingbar für die weitere Arbeit. Sie allein sind schon ein Fortschritt und sehr hilfreich, aber sie führen zur Unterdrückung, zur Verdrängung der Unreinheiten, wenn der dritte Schritt ungetan bleibt. Der dritte Schritt ist die Läuterung des Geistes von Unreinheiten durch die Entwicklung von Einsicht in die eigene Natur. Das ist Vipassana – das Erleben der eigenen Realität durch systematische und objektive Beobachtung des sich ständig wandelnden Geist-Körper-Phänomens, das sich in verschiedenen Empfindungen im eigenen Körper manifestiert. Das ist der Kern der Lehre des Buddha: Selbstläuterung durch Selbstbeobachtung.

Dies kann von jedem praktiziert werden. Jeder muss sich mit bestimmten Leiden auseinandersetzen. Es ist eine universelle Krankheit, die eines universellen Heilmittels bedarf, nicht eines, das an bestimmte Konfessionen oder Weltanschauungen gebunden ist. Wenn man an Ärger leidet, ist das nicht buddhistischer, christlicher, islamischer oder jüdischer Ärger. Ärger ist Ärger, und die aus dem Ärger resultierende Unruhe ist ebenfalls weder christlich noch buddhistisch. Das Übel ist universell, also muss auch das Heilmittel universell sein.

Vipassana ist ein solch universelles Heilmittel. Niemand wird etwas gegen einen Satz von Lebensregeln sagen, die den Frieden und die Harmonie aller Mitmenschen respektieren. Niemand wird etwas gegen geistige Selbstbeherrschung einwenden. Niemand wird etwas dagegen haben, Einsicht in die eigene Realität zu entwickeln, Einsicht, durch die man zur letzten Wahrheit über Geist und Körper vordringen und den Geist von Negativitäten befreien kann. Vipassana ist ein universeller Pfad, kein Kult, kein Dogma, kein blinder Glaube.

Die Realität zu betrachten, wie sie wirklich ist, indem man die Wahrheit im Inneren anschaut, das heißt, sich selbst auf der Ebene tatsächlichen Erlebens zu erkennen. Durch regelmäßige Ausübung der Technik kommt man nach und nach aus dem durch die Unreinheiten verursachten Leiden heraus. Von der groben, offensichtlichen Wahrheit dringt man zu feineren und feineren Wahrheiten vor, bis man zur letztendlichen Wahrheit von Geist und Materie gelangt. Transzendiert man auch diese, erlebt man eine Wahrheit, die jenseits von Geist und Materie, Raum und Zeit, jenseits des Bedingten und Relativen liegt: die Wahrheit vollkommener Befreiung von allen Unreinheiten, allem Leiden. Welchen Namen man dieser letztendlichen Wahrheit gibt, ist irrelevant – sie ist das letzte Ziel aller, die Erfüllung der menschlichen Suche.

Mögen Sie alle diese letzte Wahrheit erleben. Mögen alle Menschen vom Leiden befreit sein. Mögen sie wirkliches Glück, wirklichen Frieden, wirkliche Harmonie erfahren.

Mögen alle Wesen glücklich sein.

QUELLE: https://dvara.dhamma.org/de/art/

Die sieben Hermetischen Prinzipien

Das Prinzip der Geistigkeit

„Das Universum ist geistig – gehalten im Geiste des Alls.“

Kybalion

Dieses Prinzip besagt, dass alles Geist ist. Heute wählen wir andere Begriffe für den Ausdruck Geist, wir sprechen von Energie oder neutraler Ursubstanz.
Im Geist liegt die gesamte schöpferische Kraft. Aller Anfang ist rein geistig, Materie ist für uns sichtbar gewordener Geist / Energie und bildet immer die letzte Ausdrucksform in der Vielfalt der Erscheinungsformen.
Wir formen mit unseren Gedanken unsere Realität, unabhängig von der Qualität unserer Gedanken.
jeder Gedanke ist ein Schöpfungsprozess!
Wer dieses Prinzip verstanden hat, hat die Grundlage aller anderen Prinzipien für sich erschlossen.


Das Prinzip der Entsprechung / Resonanz

„Wie oben, so unten, wie unten, so oben.“

Kybalion

Dieses Prinzip besagt, dass uns alle unsere Situationen, die wir erleben, entsprechen. Unsere Gedanken ziehen die entsprechenden Menschen und Ereignisse in unser Leben. Dieses Prinzip wird oft auch das „Gesetz der Anziehung“ genannt.
Es gibt absolut nichts in unserem Leben, was nichts mit uns zu tun hat. Alles, was wir erleben, haben wir durch unsere Gedanken, durch unsere Gefühle oder durch unsere Taten in unser Leben gerufen.
Wer dieses Prinzip verstanden hat, übernimmt die ganze Verantwortung für sich und sein Leben. Das führt aus der Machtlosigkeit heraus, in der sich noch viele Menschen befinden.


Das Prinzip der Schwingung

„Nichts ist in Ruhe, alles bewegt sich, alles ist in Schwingung.“

Kybalion

Dieses Prinzip besagt, dass alles in ständiger Bewegung ist. Was die Hermetiker schon vor tausenden von Jahren wussten, haben jetzt auch unsere Wissenschaftler herausgefunden.

Die Schwingung ist der Informationsträger der unsere Gedanken und Empfindungen aussendet. Wir treffen auf Menschen mit der gleichen „Wellenlänge“.
Wir senden ständig Schwingungen aus, so wie ein Radiosender. Empfangen kann diese Schwingung nur, wer auf der gleichen Wellenlänge ist. Wir sind Sender und Empfänger zugleich.
Schwingung kann in Bruchteilen von Sekunden gewandelt werden. Wer das verstanden hat, hat einen der großen Schlüssel in der Hand, um in ein glückliches und erfolgreiches Leben zu starten.


Das Prinzip der Polarität

„Alles ist zweifach, alles hat zwei Pole, alles hat sein Paar an Gegensätzlichkeiten; gleich und ungleich ist dasselbe; Gegensätze sind identisch in der Natur, nur verschieden im Grad; Extreme berühren sich; alle Wahrheiten sind nur halbe Wahrheiten; alle Widersprüche können miteinander in Einklang gebracht werden.“

Kybalion

Das Prinzip besagt, dass alles zwei Pole hat, wie Tag und Nacht, heiß und kalt, hell und dunkel.
Die Gegensätze sind nur die extremen Grade ein und derselben Sache. So handelt es sich beispielsweise bei heiß und kalt um die Temperatur.
Durch die Polarität können wir vieles erst erkennen: wenn es die Dunkelheit nicht geben würde, dann könnten wir das Licht nicht erkennen.
Oft verhelfen uns scheinbar negative Situationen in unserem Leben dazu zu erkennen, wo wir gerade stehen und vor allem auch, wohin wir gerne möchten. Jede Krise hat auch immer etwas Gutes und ist eine Chance zur Erweiterung. Die Polarität hilft uns zu erkennen und zu verändern.


Das Prinzip des Rhythmus / Wandlung / Zyklus

„Alles fließt aus und ein, alles hat seine Gezeiten, alle Dinge steigen und fallen. Das Schwingen des Pendels zeigt sich in allem; das Maß des Schwunges nach rechts ist das Maß des Schwunges nach links; Rhythmus kompensiert.“

Kybalion

Dieses Prinzip besagt, dass alles einem ständigen rhythmischen Wandel unterliegt. So wie das Ein- und Ausatmen, das Geboren werden – Leben – Sterben oder unsere Jahreszeiten.
Nichts kann ewig bleiben wie es ist, alles ist dem Gesetz des Wandels unterworfen. Für alles gibt es den richtigen Zeitpunkt, wer mit seinem persönlichen Rhythmus geht, der wird sich viele Widerstände ersparen.
Dieses Prinzip ermöglicht es uns, die richtige Balance mit den Polaritäten zu finden.


Das Prinzip von Ursache und Wirkung

„Jede Ursache hat ihre Wirkung, jede Wirkung hat ihre Ursache; alles geschieht gesetzmäßig,
Zufall ist nur der Name für ein unbekanntes Gesetz. Es gibt viele Ebenen der Ursächlichkeit,
aber nichts entgeht dem Gesetz.“

Kybalion

Dieses Prinzip besagt, dass für alles, was wir erleben, von uns die entsprechende Ursache gesetzt wurde. Zufall gibt es nicht, das ist nur ein Begriff für eine nicht erkannte Ursache. Es gibt allerdings verschiedene Grade der Ursachensetzung. Wer dieses Prinzip verstanden hat, achtet darauf, die Ursachen zu setzen, die die gewünschten Wirkungen hervorrufen. Wir können uns darauf verlassen, dass wir nur die Wirkungen ernten, für die wir auch die Ursachen gesetzt haben. Wer Liebe gibt, wird keinen Hass ernten. Das Prinzip ermöglicht uns, unser Leben zu planen und tatsächlich auch das zu erreichen, was wir erwünschen.


Das Prinzip des Geschlechts / der Schöpfung 

„Geschlecht ist in allem, alles hat männliche und weibliche Anteile,
Geschlecht offenbart sich auf allen Ebenen.“

Kybalion

Dieses Prinzip besagt, dass alles männliche und weibliche Anteile besitzt, bis ins Geistige hinein. Die männlichen Anteile sind: das Gebende, das Richtungsweisende, die Idee, der Wille, das Aktive. Die weiblichen Anteile sind: das Annehmende, das Empfangende, das Ausführende, das Passive. Wer hier das Gleichgewicht in sich erschaffen kann, hat es leichter, in den Fluss des Lebens zu kommen. Wir brauchen um zu erschaffen immer beide Aspekte. Es kann zu keiner Geburt kommen, wenn nicht männliche und weibliche Anteile zusammen kommen.

Sei achtsam, was du in deinem Geist aufnimmst. Das Gedankengut von Anderen, welches du über Gespräche oder den Medien, wie Fernsehen oder Internet aufnimmst, kann zu deiner Realität werden. Im Umkehrschluss wähle deine Worte bewusst und achtsam anderen gegenüber aus. Denn sie nehmen diese in ihren Geist auf und sie tragen dazu bei, die Realität deines Zuhörers zu formen.

Das Versteck der Weisheit

Eines Tages versammelten sich die Götter und überlegten gemeinsam, welches Versteck sie wählen sollten, um die Weisheit so zu verstecken, dass der Mensch sie erst findet, wenn er reif dafür ist, damit umzugehen.
„Wir verstecken sie auf dem höchsten Berg“ sagte einer der Götter.
Doch die anderen schüttelten den Kopf.
„Den Menschen wird es schon bald gelingen, die höchsten Berge zu erklimmen.
Dieses Versteck werden sie schnell finden.“
„Wir verstecken sie auf dem tiefsten Meeresboden“ schlug ein anderer vor.
Wieder schüttelten die anderen den Kopf
„Nein, auch den tiefsten Meeresboden wird der Mensch schon bald erkunden.
Dort wird er sie zu schnell finden.“
Alle schwiegen eine Weile und dachten intensiv nach.
Dann meldete sich ein noch recht junger Gott zu Wort:
„Wir verstecken sie einfach in den Menschen selbst“ sagte er.
Die anderen lächelten und nickten.
„Das ist ein gutes Versteck, dort wird der Mensch die Weisheit erst suchen, wenn er reif genug dafür ist.“
Orientalisches Märchen

Unwissenheit

„Leiden existiert,
doch wir sind uns dessen nicht bewusst.
Genau durch diese Unbewusstheit geschieht es,
dass wir ein Leben im Leid verbringen –
doch es macht uns nichts aus.
Unser ganzes Leben verläuft in dieser nebligen Unbewusstheit,
in dieser Schläfrigkeit,
und so dauert das Leid immer weiter an.“

Osho, Seeds of Wisdom


Die 4 Edle Wahrheiten:

1. Existenz des Leidens

2. Ursache des Leidens

3. Aufhebung des Leidens

4. Pfad, der zur Aufhebung des Leidens führt

Haß

Die Last

Ein Lehrer fragte einmal seine Schüler, sie sollen doch bitte, einige Kartoffeln in einer Plastiktüte in die Schule mit bringen. Auf jede der Kartoffeln, sollen die Namen der Personen, die das Kind ablehnt aufgeschrieben werden. Für jede abgelehnte Person, sollen die Kinder eine Kartoffel beschriften.

An diesem Tag brachten die Kinder ihre Kartoffeln mit, die sie mit den Namen der Menschen beschrifteten, welche sie nicht mochten. Einige der Kinder, hatten zwei, drei und einige hatten sogar mehr als fünf Kartoffeln.

Die Kinder sollen diese Kartoffeln immer mit sich tragen, Tag und Nacht, überall hin mitnehmen und das eine Woche lang. Nach ein paar Tagen begannen die Kinder, sich  über den schlechten Geruch, der aus diesen Kartoffeln kam zu beklagen. Die Schüler die viele Kartoffel beschriftet haben, beschwerten sich auch noch über das Gewicht, das sie dauern mit sich herum tragen mussten.

Nach einer Woche, durften die Kinder alle Kartoffeln wegwerfen.

Der Lehrer fragte: ” Und wie fühlt ihr euch nach dieser einen Woche?“

Die Antwort der Kinder war, dass sie sich wegen dem Gestank und dem schweren Gewicht, schrecklich fühlen würden.
Und der Lehrer erklärte den Kindern:

Wenn euer  Herz mit Hass erfüllt ist, so tragt ihr,  genauso eine schwere und unangenehme Last, in eurem Herzen mit, wie der Sack mit Kartoffeln, von dieser Woche, der  Hass auf ungeliebte Menschen, vergiftet nur eure Herzen. Wenn ihr  den Gestank von verdorbenen Kartoffeln, nicht einmal für eine Woche aushaltet, wie viel schlimmer sind die Auswirkungen dieses  Hasses in euren Herzen, wenn ihr ihn ein ganzes Leben lang, mit euch herum tragen müsstet. Ohne Hass wird euer Herz wieder leicht.

Wir sind doch in vielem, wie diese Kinder und tragen unseren Sack voll von faulen Kartoffeln mit uns. Wenn wir den Hass loslassen können und Wut und Ärger, auf andere, wegschmeissen, wie die faulen Kartoffeln, dann wird es wieder unsagbar leicht um unsere  Herzen. Wenn wir dann wirklich aus tiefstem Herzen verzeihen können, dann wird sich unser Leben um einiges verbessern.

dazu Worte von Buddha die ganz genau dazu passen:

In dieser Welt hat Hass noch niemals Hass vertrieben

Nur Liebe besiegt den Hass.Dies ist das Gesetz, alt und unverbrüchlich.

Auch du wirst einmal sterben.

Weisst du dies, wie kannst du dann noch streiten?

Quelle

Gier

Wer seinen Wohlstand vermehren möchte, der sollte sich an den Bienen ein Beispiel nehmen. Sie sammeln den Honig, ohne die Blumen zu zerstören. Sie sind sogar nützlich für die Blumen. Sammle deinen Reichtum, ohne seine Quellen zu zerstören, dann wird er beständig zunehmen. – Buddha

Eines Tages nahm ein Mann seinen Sohn mit aufs Land, um ihm zu zeigen, wie arme Leute leben.
Vater und Sohn verbrachten einen Tag und eine Nacht auf einer Farm einer sehr armen Familie.
Als sie wieder zurückkehrten, fragte der Vater seinen Sohn: „Wie war dieser Ausflug?“ „Sehr interessant!“ antwortete der Sohn.
„Und hast du gesehen, wie arm Menschen sein können?“
„Oh ja, Vater, das habe ich gesehen.“ – „Was hast du also gelernt?“ fragte der Vater.
Und der Sohn antwortete: „Ich habe gesehen, dass wir einen Hund haben und die Leute auf der Farm haben vier.
Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht, und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört.
Wir haben prächtige Lampen in unserem Garten und sie haben die Sterne.
Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten und sie haben den ganzen Horizont.“
Der Vater war sprachlos.
Und der Sohn fügte noch hinzu:
„Danke Vater, dass du mir gezeigt hast, wie arm wir sind.“



I Ging für den 19.05.2020
44. GOU – Das Entgegenkommen (Rura)
Entgegenkommen bedeutet Antreffen. Das Schwache tritt dem Festen entgegen.
Das Mädchen ist mächtig. Man soll ein solches Mädchen nicht heiraten.
Neun auf viertem Platz – ist der Platz des Ministers. Es wäre Pflicht des Beamten, mit dem Volk im Fühlung zu stehen. Allein man hat es versäumt.

Imagine

Imagine there’s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky

Imagine all the people
Living for today…

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too

Imagine all the people
Living life in peace…
You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one

I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world…
You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

Unser Leben… ist das Ganze!

Diese Einheit aus Wissen, Fühlen und Handeln, die wir als unser eigentliches Wesen bezeichnen, kann unmöglich in einem bestimmten Augenblick vor nicht allzu langer Zeit aus dem Nichts entsprungen sein.
Vielmehr ist dieses Wissen, Fühlen und Handeln seinem Wesen nach ewig, unveränderlich und eins bei allen Menschen oder besser gesagt bei allen empfindenden Lebewesen.
Aber nicht in dem Sinn, dass wir ein Teil, ein Stück, ein Aspekt oder eine Modifikation eines ewigen und unendlichen Wesens sind, wie etwa im Pantheismus von Spinoza, denn wir sollten uns auch fragen:
Welcher Teil, welcher Aspekt sind wir?
Was unterscheidet uns objektiv von den anderen?
Nein, so unverständlich es auch für das normale Denken sein mag,
wir – und alle anderen bewussten Wesen als solche – existieren in Einem. Deswegen ist unser Leben, das wir leben, nicht lediglich ein Teil der gesamten Existenz, sondern in einem gewissen Sinn das Ganze.
Dieses Ganze ist aber so beschaffen, dass es nicht mit einem einzigen Blick übersehen werden kann.

Wir können uns deshalb flach auf den Boden werfen und uns auf Mutter Erde ausstrecken und dabei die feste Überzeugung haben, dass wir eins sind mit ihr und sie eins mit uns.
Wir sind ebenso fest und unverwundbar wie sie, ja sogar tausende Mal fester und unverwundbarer.
So sicher, wie sie uns morgen verschlingen wird, so sicher wird sie uns neu schaffen und uns neuem Streben und Leiden aussetzen. 
Dies wird nicht “eines Tages” geschehen, nein, jetzt, heute, jeden Tag bringt sie uns hervor, nicht einmal, sondern tausende und abertausende Male, so wie sie uns jeden Tag tausende Male verschlingt.
Denn das, was ewig und immer besteht, ist nur das Jetzt, ein- und dasselbe Jetzt; nur die Gegenwart allein ist unendlich.
– Erwin Schrödinger (1887-1961)

QUELLE: „Die Illusion des Ich“ Alan Watts